Initiative 9. November e.V.
Als am 29. August 1907 die Synagoge in der Friedberger Anlage feierlich eingeweiht wurde, ahnte niemand der Anwesenden, welchem schrecklichen Schicksal ihre Gemeinde und die Synagoge schon nach 31 Jahren ausgeliefert sein würden. Sie war eine der prächtigsten und größten jüdischen Sakralbauten in Deutschland. Im Novemberpogrom 1938 wurde sie von Nazis in Brand gesteckt. Auf ihren Fundamenten wurde 1942 von französischen Kriegsgefangenen der Hochbunker gebaut. Dieser Hochbunker ist jetzt Sitz der Initiative 9. November e.V. Anlass zu ihrer Gründung 1988 waren die öffentlichen Auseinandersetzungen über die Zerstörung der Überreste des Frankfurter Ghettos und der Börneplatz Synagoge durch den Neubau eines Mainova-Verwaltungsgebäudes. Für einen Teil der Protestierenden wurde in der Folge der Ort „Friedberger Anlage 5-6“ als weiterer Ort einer zerstörten Synagoge wichtig. Seit dem engagieren sich hier Frankfurter Juden und Nicht-Juden gemeinsam um die lange Jahre vergessene Geschichte und vielschichtige Bedeutung dieses Ortes für die Öffentlichkeit erfahrbar zu machen. Ziel der Initiative ist an das jüdische Leben und seine Vernichtung durch die Nationalsozialisten zu erinnern. Dazu fanden u.a. jährliche Gedenkveranstaltungen zum 9. November statt. Ab 2002 wurde der Initiative die Nutzung des Bunkers, der bis dahin als ABC-Schutzbunker diente, gestattet. Dies ermöglichte die Präsentation von Dauerausstellungen sowie die Durchführung zahlreicher Veranstaltungen mit überlebenden ZeitzeugInnen, öffentlichen Lesungen, Diskussionen, Filmvorführungen und Konzerten, sowie Führungen für interessierte BesucherInnen als auch für Schulklassen. So entstand und besteht ein national und international anerkannter Ort des Erinnerns, Aufklärens und Begegnens. Dabei arbeitet die Initiative mit zahlreichen Institutionen zusammen, u. a. mit dem Jüdischem Museum, dem Fritz-Bauer-Institut, der Jüdischen Gemeinde und dem Kulturdezernat der Stadt Frankfurt. 2021 konnten wir nach aufwändigem Umbau die Ausstellung: „Synagogen in Deutschland – eine virtuelle Rekonstruktion“ eröffnen. Eine der rekonstruierten Synagogen ist die Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft, auf deren Grundmauern der Hochbunker steht. Diese Grundmauern wollen wir ausgraben. Bei eigenen Stichgrabungen hinter dem Bunker 2005 konnten Steine der Synagoge nachgewiesen werden, die in Zukunft – so unser Ziel – dauerhaft freigelegt werden sollen. Neben der Präsentation von Dokumenten und Gedenksteinen sollen ausgegrabene und damit authentische Reste den Ort noch deutlicher als Tatort öffentlich kenntlich machen, als einmaliges Dokument einer Frankfurter Doppelgeschichte das real Zerstörte mit dem Zerstörenden als ineinander verkeilt und kausal miteinander verbunden dargestellt werden.
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